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7 Min. Lesezeit · Restio Team

EÜR erstellen: So einfach ist die Einnahmen-Überschuss-Rechnung

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EÜR: Klingt kompliziert, ist es aber nicht

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung — kurz EÜR — ist einer dieser Steuerbegriffe, bei denen Freiberufler sofort an komplizierte Formulare und teure Steuerberater denken. Dabei ist die EÜR im Kern genau das, was der Name sagt: Du rechnest deine Einnahmen zusammen, ziehst die Ausgaben ab, und was übrig bleibt, ist dein Gewinn.

Trotzdem zahlen viele Freiberufler 500 Euro oder mehr an einen Steuerberater für die EÜR. Das kann sich lohnen, wenn du ein komplexes Geschäft hast — aber für die meisten Freiberufler ist die EÜR wirklich machbar.

Kurz & knapp: Die EÜR ist eine vereinfachte Gewinnermittlung für Freiberufler und Kleingewerbetreibende. Die Formel: Betriebseinnahmen − Betriebsausgaben = Gewinn. Du reichst sie als Anlage EÜR zusammen mit deiner Steuererklärung ein.

Wer braucht eine EÜR?

Die EÜR ist die Standardmethode für Freiberufler. Du musst eine EÜR erstellen, wenn du:

  • Freiberufler bist (§ 18 EStG) — unabhängig von der Höhe deines Umsatzes
  • Gewerbetreibender bist mit einem Gewinn unter 60.000 Euro oder Umsatz unter 600.000 Euro pro Jahr

Überschreitest du als Gewerbetreibender diese Grenzen, musst du zur doppelten Buchführung und Bilanzierung wechseln. Für Freiberufler gilt das nicht — du bleibst immer bei der EÜR, egal wie viel du verdienst.

EÜR vs. Bilanz

EÜRBilanz
AufwandGeringHoch
PrinzipZufluss/AbflussPeriodenabgrenzung
BuchführungEinfachDoppelt
Für wenFreiberufler, kleine GewerbetreibendeGroße Gewerbetreibende, Kapitalgesellschaften
PflichtStandard für FreiberuflerNur bei Überschreitung der Grenzen

Die Grundformel

Die EÜR folgt einer simplen Formel:

BetriebseinnahmenBetriebsausgaben = Gewinn (oder Verlust)

Das war’s. Alles, was du tun musst, ist deine Einnahmen und Ausgaben sauber zu erfassen und in die richtigen Kategorien einzuordnen.

Betriebseinnahmen: Was zählt dazu?

Zu deinen Betriebseinnahmen gehört alles, was du durch deine freiberufliche Tätigkeit einnimmst:

  • Honorare und Vergütungen für deine Dienstleistungen
  • Sachbezüge und geldwerte Vorteile
  • Einnahmen aus Nebentätigkeiten, die zum Betrieb gehören
  • Erstattungen (z. B. Reisekosten, die ein Kunde erstattet)
  • Vereinnahmte Umsatzsteuer (wenn du umsatzsteuerpflichtig bist)

Wichtig: Bei der EÜR gilt das Zuflussprinzip (§ 11 EStG). Eine Einnahme zählt in dem Jahr, in dem das Geld auf deinem Konto eingeht — nicht, wenn du die Rechnung stellst. Schickst du im Dezember 2025 eine Rechnung und der Kunde zahlt im Januar 2026, gehört das Geld ins Jahr 2026.

Betriebsausgaben: Die wichtigsten Kategorien

Hier wird es interessant — denn jede Betriebsausgabe senkt deinen Gewinn und damit deine Steuerlast. Die Anlage EÜR gruppiert die Ausgaben in feste Kategorien:

Raumkosten

  • Miete für Büro oder Coworking-Space
  • Homeoffice-Pauschale (6 Euro pro Tag, max. 1.260 Euro/Jahr)
  • Anteilige Kosten bei häuslichem Arbeitszimmer (Miete, Strom, Heizung)

Arbeitsmittel und Material

  • Computer, Laptop, Software
  • Büromaterial, Druckerpatronen
  • Fachliteratur
  • Werkzeug und Materialien (je nach Branche)

Abschreibungen (AfA)

  • Anschaffungen über 800 Euro netto werden über die Nutzungsdauer abgeschrieben
  • Ausnahme: Computer und Software können seit 2021 sofort abgeschrieben werden
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bis 800 Euro netto werden sofort abgesetzt

Fahrtkosten

  • Pendlerpauschale: 0,30 Euro/km (erste 20 km), 0,38 Euro/km (ab 21. km)
  • Oder tatsächliche Kosten mit Fahrtenbuch
  • Bahntickets, ÖPNV, Taxi bei beruflichem Anlass

Telefon und Internet

  • Geschäftlicher Vertrag: vollständig
  • Privater Vertrag: anteilig (pauschal 20 % oder nach tatsächlichem Anteil)

Versicherungen

  • Berufshaftpflicht
  • Rechtsschutz (beruflicher Anteil)
  • Cyber-Versicherung

Fortbildung

  • Seminare, Workshops, Konferenzen
  • Online-Kurse
  • Fachliteratur und Abonnements

Sonstige Ausgaben

  • Steuerberatung und Buchhaltungssoftware
  • Marketing und Werbung
  • Bewirtungskosten (70 % des Rechnungsbetrags)
  • Beiträge zu Berufsverbänden
  • Porto und Versand
  • Kontoführungsgebühren (geschäftliches Konto)

Praxisbeispiel: EÜR einer Freelance-Designerin

Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an. Lisa ist freiberufliche Grafikdesignerin und erstellt ihre EÜR für 2025:

Betriebseinnahmen

PostenBetrag
Honorare für Designprojekte45.000 €
Summe Betriebseinnahmen45.000 €

Betriebsausgaben

KategoriePostenBetrag
RaumkostenHomeoffice (200 Tage × 6 €)1.200 €
RaumkostenCoworking (20 Tage × 120 €/Monat anteilig)2.400 €
ArbeitsmittelMacBook Pro (AfA sofort)2.000 €
SoftwareAdobe Creative Cloud, Figma, Notion600 €
Telefon/InternetMobilfunk + Internet (60 % beruflich)720 €
VersicherungenBerufshaftpflicht + Rechtsschutz1.200 €
FahrtkostenKundenbesuche (2.000 km × 0,30 €)600 €
ReisekostenÜbernachtung + Verpflegung200 €
FortbildungOnline-Kurse, Konferenz400 €
Summe Betriebsausgaben9.320 €

Ergebnis

Gewinn: 45.000 € − 9.320 € = 35.680 €

Auf diesen Gewinn von 35.680 Euro zahlt Lisa Einkommensteuer. Nicht auf die vollen 45.000 Euro — jede dokumentierte Betriebsausgabe spart direkt Steuern.

Das Zufluss-/Abflussprinzip

Das Zufluss-/Abflussprinzip ist die wichtigste Besonderheit der EÜR. Es bedeutet:

  • Einnahmen zählen, wenn das Geld zugeflossen ist (auf deinem Konto eingegangen)
  • Ausgaben zählen, wenn das Geld abgeflossen ist (von deinem Konto abgebucht)

Der Zeitpunkt der Rechnung oder Lieferung spielt keine Rolle. Das macht die Sache einfacher als bei einer Bilanz, hat aber auch Konsequenzen:

Beispiel: Du kaufst im Dezember 2025 einen neuen Laptop für 1.500 Euro. Die Ausgabe zählt für 2025 — egal, ob du den Laptop erst im Januar nutzt. Umgekehrt: Wenn ein Kunde dich im Dezember beauftragt, aber erst im Februar zahlt, gehört das Honorar ins nächste Jahr.

Tipp: Ende des Jahres kannst du durch geschicktes Timing deine Steuerlast beeinflussen. Stehen große Anschaffungen an, die du noch im alten Jahr bezahlst? Das senkt deinen Gewinn für dieses Jahr.

Ausnahme: 10-Tage-Regel

Es gibt eine wichtige Ausnahme: Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen oder Ausgaben, die kurz vor oder nach dem Jahreswechsel fällig sind (innerhalb von 10 Tagen), werden dem Jahr zugeordnet, zu dem sie wirtschaftlich gehören. Das betrifft z. B. die Januarmiete, die du am 28. Dezember zahlst — die gehört trotzdem ins neue Jahr.

Die Anlage EÜR in ELSTER

Die EÜR reichst du als Anlage EÜR zusammen mit deiner Einkommensteuererklärung ein. Seit 2017 ist die elektronische Übermittlung über ELSTER (elster.de) für alle Pflicht — eine formlose Aufstellung auf Papier reicht nicht mehr.

Die Anlage EÜR hat mehrere Abschnitte:

  1. Betriebseinnahmen (Zeilen 11–22)
  2. Betriebsausgaben (Zeilen 23–65)
  3. Gewinnermittlung (Zeile 72)
  4. Ergänzende Angaben (z. B. Kfz-Kosten, Raumkosten)

Du musst die Einnahmen und Ausgaben den vorgegebenen Kategorien zuordnen. Das klingt mühsam, aber wenn du das ganze Jahr über ordentlich buchst, ist es am Ende nur noch Abtippen.

Häufige Fehler bei der EÜR

  1. Privatentnahmen als Betriebsausgabe buchen — wenn du Geld vom Geschäftskonto für private Zwecke nimmst, ist das keine Ausgabe, sondern eine Privatentnahme.

  2. Umsatzsteuer vergessen — bist du umsatzsteuerpflichtig, musst du die vereinnahmte USt als Einnahme und die gezahlte Vorsteuer als Ausgabe erfassen. Kleinunternehmer können das ignorieren.

  3. Abschreibung statt Sofortabzug — Anschaffungen bis 800 Euro netto werden sofort abgesetzt. Viele buchen fälschlicherweise eine Abschreibung über mehrere Jahre.

  4. Belege nicht aufbewahren — du musst Belege 10 Jahre aufbewahren. Ohne Beleg wird das Finanzamt die Ausgabe bei einer Betriebsprüfung streichen.

  5. Gemischte Nutzung nicht aufteilen — nutzt du etwas privat und beruflich (z. B. Smartphone, Auto), darfst du nur den beruflichen Anteil ansetzen. Dokumentiere den Anteil.

  6. Bewirtungskosten falsch ansetzen — nur 70 % sind absetzbar, und du musst Anlass, Teilnehmer und Geschäftsbeziehung auf dem Beleg notieren.

So organisierst du dich das ganze Jahr

Die EÜR wird einfach, wenn du das ganze Jahr über dranbleibst. Hier ein paar Tipps:

  • Separates Geschäftskonto — trenne private und geschäftliche Finanzen. Das spart Stunden beim Sortieren.
  • Belege sofort erfassen — fotografiere jeden Beleg am Tag des Kaufs. Warte nicht bis Dezember.
  • Monatlich kategorisieren — nimm dir einmal im Monat 30 Minuten Zeit, um alle Einnahmen und Ausgaben den EÜR-Kategorien zuzuordnen.
  • Umsatzsteuer separat verfolgen — wenn du umsatzsteuerpflichtig bist, track die USt-Beträge extra.

Tipp: Je besser du während des Jahres organisiert bist, desto weniger Arbeit hast du bei der Steuererklärung. Die EÜR dauert dann oft nur noch eine Stunde statt eines ganzen Wochenendes.

So hilft Restio

Mit Restio wird die EÜR zum Kinderspiel:

  • Automatische Kategorisierung — fotografiere Belege und Restio ordnet sie den EÜR-Kategorien zu (Raumkosten, Arbeitsmittel, Fahrtkosten usw.)
  • Jahresüberblick — sieh jederzeit, wie deine Einnahmen und Ausgaben aufgeteilt sind
  • CSV-Export nach EÜR-Kategorien — am Jahresende exportierst du alle Daten, sortiert nach den Kategorien der Anlage EÜR. Perfekt für ELSTER oder deinen Steuerberater
  • Nichts vergessen — der KI-Berater erinnert dich an typische Ausgaben, die du vielleicht vergessen hast

Teste Restio 14 Tage kostenlos und mach dir die EÜR so einfach wie möglich.

Fazit

Die EÜR ist keine Raketenwissenschaft. Im Kern ist sie eine einfache Rechnung: Was hast du eingenommen, was hast du ausgegeben, was bleibt übrig? Wenn du das ganze Jahr über deine Belege sammelst und deine Einnahmen und Ausgaben ordentlich erfasst, ist die Anlage EÜR am Jahresende schnell erledigt. Du sparst dir den Steuerberater — oder gibst ihm zumindest perfekt sortierte Daten, die seine Arbeit (und deine Rechnung) deutlich reduzieren.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen EÜR und Bilanz?

Die EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) ist eine vereinfachte Gewinnermittlung nach dem Zufluss-/Abflussprinzip: Einnahmen minus Ausgaben ergibt den Gewinn. Eine Bilanz ist deutlich aufwändiger und erfordert doppelte Buchführung. Freiberufler müssen grundsätzlich keine Bilanz erstellen — die EÜR reicht.

Muss die Umsatzsteuer in der EÜR berücksichtigt werden?

Ja. Wenn du umsatzsteuerpflichtig bist, trägst du die vereinnahmte Umsatzsteuer als Einnahme und die gezahlte Vorsteuer als Ausgabe ein. Kleinunternehmer nach § 19 UStG können diesen Punkt ignorieren.

Was passiert bei negativem Gewinn in der EÜR?

Ein Verlust (negative EÜR) ist möglich und legal. Der Verlust kann mit anderen Einkünften verrechnet werden (Verlustausgleich) oder ins Vorjahr zurückgetragen bzw. in Folgejahre vorgetragen werden. Das senkt deine Steuerlast.

Bis wann muss die EÜR abgegeben werden?

Die EÜR wird als Anlage EÜR zusammen mit deiner Einkommensteuererklärung abgegeben. Die Frist für 2025 endet am 31. Juli 2026 (ohne Steuerberater) bzw. am 30. April 2027 (mit Steuerberater).

Kann ich die EÜR selbst erstellen oder brauche ich einen Steuerberater?

Du kannst die EÜR selbst erstellen — über ELSTER oder mit einer Buchhaltungssoftware. Viele Freiberufler zahlen unnötig 500 Euro oder mehr an einen Steuerberater für etwas, das im Kern eine einfache Rechnung ist: Einnahmen minus Ausgaben.